Heute morgen hatte ich als erstes die Idee (also grad nachdem ich den Wecker an die Wand schmeissen wollte), zu Fuss ins Dorf zu laufen. Nun mag manchereiner denken, das könnte ich sowieso immer, fuli Tante oho, und sowas nennt sich Heilpraktikerin. Hmm…es geit. Im forschen Schritt dauert der Marsch 30 Minuten, nach Hause mit etwas weniger forschen Schritten mehr als 40 Minuten. Würde ich joggen, würde ich schneller unten im Dorf sein, aber ganz sicher viel später zu Hause. Man sieht die umgekehrte Logik dahinter.

Also, ich fand die Idee super. Bis beim Zmorge auch mein innerer Schweinehund wach wurde und meinte „Bist du wirklich sicher? Ich mein es ist ein normaler Dienstag?!? Ein pflotschnasser, verhangener Wintertag – und nicht mal die Sonne scheint! Vitamin D tankst du heute auch nicht grad kiloweise.“.

Er redete weiter „in dieser Zeit könntest du ja echt jede Menge anderer Dinge machen, oder? Sportskanone wirst du in diesem Jahrhundert sowieso nicht mehr. Hättest du sportliche Ambitionen hätte man das ja schon mal gemerkt, oder? Chli velofahren im Herbst und Frühling, chli schwimmen im Sommer und 1 Stunde pro Woche bauchtanzen…da machst du jetzt nicht grad die Anita Weyermann.“ Ich liess ihn weiterreden, schnürte die Schuhe, Mütze auf, Halstuch um, Handschuhe an und sagte bloss „willst du jetzt mitkommen oder bleibst du daheim?“ Der Schweinehund kam dann mit.

Während des Fussmarsches habe ich mich mit ihm unterhalten. Was das überhaupt soll, das Zaudern, das Nicht-Entscheiden-Können, das Zweifeln, das Zurückhalten. Halt all das, was mich an anderen oft nervt, und auch an mir selber.

Eine meiner früheren Vorgesetzten (hahaha jetzt hab ich ja keine mehr), eine wirklich lässige Frau aus einem andere Kontinent hat alles nach dem 10-10-10 Prinzip entschieden. Will ich das oder das? Soll ichs machen oder lassen? Und so entschied sie:

Spielt die Entscheidung in 10 Stunden noch eine Rolle? In 10 Monaten? Und in 10 Jahren?

Und so beobachtete ich eine Frau in einer Führungsposition, die extrem schnell und sehr gelassen entscheiden konnte. Soll ich einem Angestellten den Extraurlaub von 6 Monaten bewilligen oder nicht? In 10 Stunden spielt die Entscheidung noch keine Rolle, aber in 10 Monaten sehr wohl (für den Angestellten), denn schliesslich ist er dann entweder auf Weltreise oder nicht. Und spielt es in 10 Jahren noch eine Rolle? Ja sicher, er war entweder auf Weltreise, hat seine grosse Liebe oder einen neuen Traumjob gefunden oder nicht. Ja guet, die grosse Liebe wärs vielleicht auch nicht gewesen und der Traumjob wäre ihm vielleicht gekündigt worden, aber die vielen schönen Foti auf Instagram hätte er nicht machen können ohne Weltreise. Und dann die vielen Erfahrungen. Wir wollen ja alle was zu hören bekommen im Altersheim.

Und drum – danke dir Schweinehund, weil ich nenn dich jetzt 10-10-10. Und beim nächsten Spaziergang nehm ich dich wieder mit. Es gibt ja immer wieder was zu entscheiden, was zu tun und was zu lassen.