Letzthin machte ich mit meiner Kollegin S. eine Reise in die Ostschweiz, wir waren dort zu einer Weiterbildung eingeladen. Was zur Folge hatte, dass ich um 5 Uhr aufstehen musste. Wir fuhren mit dem ÖV, denn mein Besen war gerade beim Schreiner in der Reparatur. Ich wär sonst geflogen, versteht sich.

Auf dem Programm stand – unter anderem – „Vitalstoffreiches Frühstück“ und wie‘s so ist, in meiner Branche ist gesundes Essen ein gefundenes Fressen. Da können sich Heilpraktiker und Artverwandte übers gute und schlechte Essen stundenlang unterhalten und sofort wird kartographiert und kategorisiert, was gut und schlecht, was absolut tödlich und was langes Leben bescheren sollte. Von Paleo („Steinzeiternährung“) bis zur veganen Ernährung finden sich in der Regel ja alle Schattierungen, wenn man nur ein Duzend Heilpraktiker an einen Tisch setzt.

Ich würd mich da ja gerne rausnehmen, aber kann ich nicht, natürlich nicht, ich werde berufeshalber täglich mit Ernährungsfragen konfrontiert. Manche Patienten wünschen sich von mit eine ganz klare Liste, was sie nun essen dürfen und was nicht, andere möchten mehr oder weniger den Ok-Güte-Siegel, dass sie sich jetzt schon extrem gesund ernähren.

So halte ich es lieber mit dem Wort „Diaita“ als mit dem Wort „Diät“.

Diaita ist aus dem Griechischen und bedeutet Lebensweise. Und diese schliesst so viel mehr ein, als Nahrungsmittel auszuschliessen, was ja in der Diät gang und gäbe ist. Es umfasst – nebst der Ernährung – auch die Bereiche der Bewegung, der Erholung (das würde bedeuten, dass ich sicher nicht schon um 5 Uhr aufstehen würde), ich mich ausreichend in der Natur aufhalte und ich mich mit der Psychologie und Spiritualität im weiteren Sinne auseinander setze.

Als sich die Züge und Geleise von S. und mir in Olten trennten, kam gerade eine Schulkasse in meinen Zug. Und ja – es könnte hier jetzt schrecklich laut werden (zum Glück lest ihr das nur…!). Doch dann schlug sich ein Gedanke nieder.

Die allermeisten Menschen lieben Kinder und werden oft auch gar nicht müde genug, das zu betonen. Aber warum? Vielleicht auch, weil die Kinder noch in der Lage sind, sich ihre eigene kleine Meinung zu bilden ohne gleich dogmatisch zu werden. In Bezug aufs Essen: sie mögen Früchte oder nicht, mögen Gemüse oder nicht, essen Fleisch oder nicht (immer alles, wenn wir sie lassen) aber deswegen bilden sie doch nicht gleich Communities oder Vereine und verschreien den Rest der Andersesser als @Y%%ç£$$ (das ist kein Schreibfehler, das ist ein Wort, das ich nicht schreiben darf, ich habe mir viel Mühe gegeben, Sonderzeichen einzuflechten).

Und – nicht zu vergessen – sie sind grundsätzlich lebensbejahend und lebensfroh! Sie haben Diaita verstanden. Hurra!!!

Ich bin dann gegen 20 Uhr nach Hause gekommen und mein Mann hatte mit unseren Kindern gekocht. Es gab….naja, was zu Essen 🙂  Und das mit Freude.

 

*) das gefundene Fressen am HB Züri war ein Kafigipfeli. Und es hat geschmeckt, im Fall!