Wie soll ich anfangen? Vielleicht dort, wo meine im Sterben liegende Grossmutter zu mir ihre letzten Worten sagte „nimms nicht so schwer“. Eigentlich waren das auch ihre ersten Worte an mich direkt, man muss wissen, dass ebendiese Grossmuter Grosi von 24 Enkeln war und ich – geschätzt – in der Reihenfolge Nummer 18. Also nichts Besonderes, es gab schon viele ähnliche wie mich.  Es waren ihre ersten wichtigen, direkten Worte und ebenso ihre letzten an mich. Sie verstarb dann wenige Tage nach diesem Treffen.

Ob sie mich doch kannte? Das Gefühl hatte ich vorher nie. Aber diesmal hatte sie ins Schwarze getroffen. Ich nahm wirklich vieles schwer. So schwer. Das Leben. Das Sein. Und ich wusste ja nicht mal warum. Es gab keinen Grund. Wir wuchsen behütet auf, alles geregelt, keine Dramen. Und doch…ja, es war sehr schwer für mich.

Irgendwann dann Mitte Zwanzig versuchte ich mich Therapeuten zu nähern. Gar nicht mal so einfach. Ich wusste ja nicht, was mit mir nicht stimmte. Und noch dümmer – die meisten wussten das auch nicht. Einige meinten sogar, ich solle es halt einfach nicht so schwer nehmen. Aha, sehr einfach… Also ob man einem Migränepatienten sagen könnte, er solle doch einfach keine Kopfschmerzen haben.

Ja, ich habe viele Therapeuten und Therapieformen ausprobiert und wahrscheinlich ein ganzes Duzend hatte mir „nichts gebracht“. Und dann – kam der Durchbruch. Dann endlich, fand ich zu jemandem, der es wirklich sehen konnte, was da klemmte (und siehe da, nicht mein Kopf klemmte…).  Und dann – ja, da wurde es endlich leicht. Und dann fand ich noch jemanden, und da wurde es noch viel leichter. Und heute, ja, da ists manchmal auch streng, aber es ist nie mehr schwer so wie früher.

Deshalb, ich wünsche mir, dass ich diejenige für meine Patienten sein darf, die es findet, was da klemmt. Aber glaubt mir, es ist auch möglich, dass ich zu den andern Dutzend gehöre, die es vielleicht nicht findet. Aber das „nichts gebracht“ stimmt eben nicht, es hat immer was gebracht. Mich näher zu mir selber gebracht. Weiter zu jemanden, der mir ein wenig mehr helfen konnte. Es ist nicht vergebens, Zeit in sich zu investieren. Sich besser kennen zu lernen, kann man nicht in Gold aufwägen.

Ja, ich wünsche es mir sehr, dass ich die Erste sein darf oder im umgekehrten Sinn auch die Letzte, damit es nachher endlich leichter wird. Das wünsche ich mir für alle meine Patienten.