Warum mir um alles in der Welt ausgerechnet heute mein früherer Hausarzt Dr. med. S. in den Sinn kommt – keine Ahnung!!

Dabei wollte ich erst über meinen ersten Wunschberuf schreiben! Ha, guess what – das wäre „Restaurant-Namen-Erfinderin“ gewesen, wirklich wahr. Als 10jährige fand ich Kreuz, Bären oder Löwen sooo fad, dass ich schwupps eine Liste mit neuen, viel interessanteren Namen erstellt hatte, bis meine Eltern eingriffen und sagten, diesen Beruf gäbe es gar nicht. Ok. Beim heutigen Beizensterben haben sie ja Voraussicht bewiesen. Wogegen, das wäre vielleicht nicht ganz so arg, hätte ich bessere, lässigere klingende Namen erfunden. Es bleibt uns nur die Mutmassung.

Besagter Dr. med. S. war nämlich wiederum seiner Zeit voraus (oder vielleicht in einem falschen Film). Konsultationen bei ihm gingen so:

Patient: „Herr Dokter, mir tut‘s da und da weh, wenn ich so und so tu, noch mehr und so weniger etc. etc.“ – Er: „Was meinen Sie denn, was sie haben?“.

Eben. Der war seiner Zeit voll voraus. Oder eigentlich der heutigen auch noch. Weil Diagnosen ja – dank Tarmed oder nicht – so im Schnellverfahren erteilt werden müssen, da reichts für den Falschparker mittlerweilen nicht mal mehr für eine Busse, so schnell geht das.

So kam mir heute in den Sinn, dass der Herr Dr. med. S. eigentlich den Nagel auf den Kopf getroffen hatte, nur hat das in diesem knapp 2000 Seelen Dorf vor 30 Jahren kaum einer verstanden. ER MUSS DOCH WISSEN WAS ICH HABE. Er muss mir doch sagen, was mir fehlt. Es war ein bisschen ein Running Gag, der eine sagte „ich war heute beim Dokter“ und dann folgte darauf „gell, er hat dich gefragt, was du hast“. Hahaha.

Und dann – gibt’s auch Dauerbrenner Gesprächsfetzen bei den Heilpraktikern. Beispiele gefällig?

Jemand „Und was bist du so von Beruf?“    –   Ich: „Naturheilpraktikerin“.

Dann der Wortverlauf in Varianten:

  • „Ah…so eine Handauflegerin bist du. Nützt ja auch nur, wenn man dran glaubt. Die Wahrheit ist – es nützt zuweilen extrem viel auch wenn man nicht daran glaubt und zuweilen hilft‘s gar nicht, auch wenn man daran glaubt wie verrückt. Klar, das ist ganz unwissenschaftlich, ich weiss.
  • „Uh ja, find ich toll, denn die Heilpraktiker schauen ja eine Krankheit ganzheitlich an.“ Es ist nur die momentane und bescheidener Massen beschränke Ganzheit, wie ich sie hier und heute und vielleicht sehe. Aber ich gebe mein bestes, ehrlich! Und oft sehe ich wirklich mehr, als zu sehen ist. Oder ich höre mehr, als gesagt wurde. Oder ich fühle mehr, als es die Haut zulässt
  • „Stresst es dich nicht, den ganzen Tag über Krankheiten und Beschwerden zu sprechen?“ Die Wahrheit ist – nein. In erster Linie liebe ich Geschichten und Menschen und ihre Geschichten! Wirklich. Ich liebe es, ich liebe sie. Und nein, es ist ja nicht nur traurig, nicht nur schlimm. Es ist zuweilen sogar lustig und erkenntnisreich und bereichernd. Es macht mein Leben reich – und so möchte ich auch dein Leben reich machen, nur andersrum. Leichter von den Beschwerden, von deinen Krankheiten. Auf dass du dich deinem Leben zuwenden kannst, dass deines reicher wird, farbiger, spannender.

Wer hätte gedacht, dass eine böse Angina in meinen Teenagerjahren vor mehr als 17 Jahre später zu so einer Erkenntnis geführt hat?

Dr. med. S. „Was meinst du, was hast Du?“  –   Ich: „Ausser Halsweh wie gstört? Phew…keine Ahnung!“

Naja, heute wüsste ich’s 🙂